Winkel & Zirkel

Arbeit am rauen Stein.

Kaum eine Gemeinschaft trägt so viele Legenden mit sich herum wie die Freimaurerei. Die Wirklichkeit ist unspektakulärer — und gerade deshalb wertvoll.

Freimaurer arbeiten an einem Bauwerk, das nie fertig wird: sich selbst. Der „raue Stein“ ist das Sinnbild dafür — Kante für Kante versucht man, ein etwas besserer Mensch zu werden als gestern. Keine Geheimlehre, keine Weltverschwörung: eher eine sehr alte, sehr geduldige Schule der Selbstprüfung mit Symbolen statt Lehrbüchern.

Mich fasziniert daran dasselbe wie am Schreiben: das Ringen um das treffende Bild. Winkel, Zirkel, Säule und Licht sind Metaphern, die seit Jahrhunderten funktionieren — Geschichten, die man nicht liest, sondern geht.

Was die Bruderschaft mir persönlich bedeutet und wie ein Logenabend wirklich aussieht, erzähle ich hier in Ruhe — Stein für Stein wächst diese Seite.

Drei Klarstellungen

Kein Geheimbund

Mitgliedschaft und Grundsätze sind öffentlich. Vertraulich sind nur die Rituale — wie bei einem guten Buch verrät man das Ende nicht.

Toleranz als Handwerk

Am Tisch sitzen Menschen, die sich sonst nie begegnet wären — und üben das Zuhören. Heute vielleicht seltener denn je.

Alte Symbole, heutige Fragen

Was heißt es 2026, „am eigenen Stein“ zu arbeiten? Genau die Sorte Frage, aus der bei mir Romane entstehen.

Der Stein wird nie glatt. Aber jeden Tag ein wenig glatter.