Siebzehn Minuten
23 Kurzgeschichten zum Innehalten
Dreiundzwanzig Menschen. Dreiundzwanzig Augenblicke, in denen etwas kippt.
Worum es geht
Keine großen Katastrophen. Die stillen Augenblicke dazwischen.
Martin Berger war neununddreißig Jahre lang pünktlich. Seine Frau kam immer siebzehn Minuten zu spät. Nicht fünfzehn, was noch als gesellschaftlich akzeptable Unschärfe durchgegangen wäre. Nicht zwanzig, was wenigstens eine runde Zahl gewesen wäre. Siebzehn. An dem Abend, an dem er in den Ruhestand geht, sitzt er wieder an einem Restauranttisch und wartet. Und begreift zum ersten Mal, was diese siebzehn Minuten in Wahrheit gewesen sind.
Ein Museumswärter bewacht zweiundzwanzig Jahre lang einen Vermeer, der keiner ist. Eine Sprecherin, deren Stimme Millionen kennen, sagt zum letzten Mal die Uhrzeit ins Telefon. Eine Mutter zählt seit dem Tod ihres Sohnes jeden Schritt, den sie geht — bis an einem Dienstagnachmittag im Mai ein Satz zurückkommt, den er mit zwölf zu ihr gesagt hat.
Dreiundzwanzig Erzählungen von Menschen, die selten im Mittelpunkt stehen und deren Leben trotzdem alles enthält, worauf es ankommt. Keine der Figuren erlebt etwas Spektakuläres. Jede erlebt etwas Entscheidendes.
Er ging zu Fuß nach Hause, zweiundzwanzig Minuten durch den Regen, und unterwegs sah er seine Stadt zum ersten Mal ohne Vermeer. Und sie war, zum ersten Mal in seinem Leben, unendlich mehr wert als vorher.
Für wen dieses Buch ist
Für alle, die Erzählungen mögen, die es nicht eilig haben.
Für den Abend
Jede Geschichte ist in einer halben Stunde gelesen. Kein Vorwissen, keine Reihenfolge — man kann überall anfangen und jederzeit aufhören.
Zum Verschenken
Ein Buch, das man gern verschenkt und noch lieber selbst behält. Auf Wunsch signiere ich es und schreibe eine Widmung hinein.
Zum Wiederlesen
Sätze, die man zweimal liest, weil sie beim ersten Mal zu leise waren. Figuren zwischen dreißig und neunzig, die einem noch Tage später nachgehen.
Zweiter Erzählband nach „Der letzte Aufguss“.
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